Arzt tastet den Bauch einer Hochschwangeren ab
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Schwangerschaft als Ärztin: Über Rechte und Pflichten werdender Mütter

Sie sind Ärztin und erwarten ein Kind? Herzlichen Glückwunsch! Viele Frauen in der Medizin entscheiden sich dafür, Mutterschaft und Beruf zu verbinden – Sie sollten sich allerdings frühzeitig über Ihre Rechte und Pflichten informieren. Was genau können werden werdende Mütter vom Arbeitgeber erwarten? Wie funktioniert der Kündigungsschutz im medizinischen Sektor?

Wir erklären, was Sie als Ärztin in der Schwangerschaft beachten sollten. Speziell in Kliniken gelten nämlich besondere Regeln.

In diesem Artikel:

Mögliche Schwierigkeiten, die auf schwangere Ärztinnen in der Medizin zukommen

Welche Regeln, Pflichten und Gesetze gelten, wenn eine angestellte Medizinerin ein Kind erwartet? Grundsätzlich hat sich hier in den letzten Jahren einiges getan: 2018 wurde das Mutterschutzgesetz angepasst. Diese letzte Anpassung schuf mehr und bessere Möglichkeiten, Arbeitnehmerinnen flexibel zu beschäftigen. Sobald eine Mitarbeiterin ihre Schwangerschaft kundtut, muss ihr Arbeitgeber laut Gesetz Mittel und Wege finden, sie an ihrem Arbeitsplatz zu schützen. Schwangere Medizinerinnen haben nicht zuletzt mehr Mitspracherecht, was die Gestaltung ihres Arbeitsplatzes und ihrer Arbeitszeit betrifft. Sind die Bedingungen ausreichend abgesichert, dürfen Chirurginnen beispielsweise weiterhin operieren und bis 22 Uhr arbeiten.

Wichtig ist aber in jedem Fall: Suchen Sie rechtzeitig das Gespräch mit Ihrem Vorgesetzten, um individuelle Vereinbarungen zu treffen! Es gibt immer Möglichkeiten, auch einen Operationssaal für schwangere Frauen sicher zu gestalten.

Was, wenn Ärztinnen die Schwangerschaft verschweigen?

Viele Frauen haben Angst, sich die berufliche Karriere durch ihren Kinderwunsch zu verbauen. Es kann daher passieren, dass Ärztinnen Schwangerschaften geheim halten. Eine rechtliche Pflicht, sich mitzuteilen, besteht nicht im medizinischen Sektor.

Auf der anderen Seite ist nicht von der Hand zu weisen, dass werdende Mütter in der Klinik ganz anderen Gefährdungen ausgesetzt sind als beispielsweise in Bürojobs. Und wenn diese ihre Schwangerschaft geheim halten, treten entsprechend auch keine Schutzregelungen in Kraft – daraus ergibt sich ein Dilemma.

Welchen Gefahren sind schwangere Ärztinnen in Kliniken ausgesetzt?

Die Gefahren, denen Ärztinnen in der Schwangerschaft ausgesetzt sind, variieren je nach Fachgebiet stark. So gestaltet sich der Arbeitsalltag von Psychiaterinnen oder Augenärztinnen ganz anders als etwa der von Chirurginnen oder Anästhesistinnen.

Allgemein kann man aber einige Punkte und Grundsätze festhalten, die für schwangere Ärztinnen bei der Arbeit gelten:

  • Ein ausreichender Immunschutz muss vorhanden sein.
  • Es gilt ein Mehr-, Nacht- und Wochenendarbeitsverbot.
  • Das Infektionsrisiko ist deutlich erhöht, daher ist Kontakt mit Blut zu vermeiden.
  • Röntgenbestrahlung gilt es zu meiden.

Wichtig:

Sind die Sicherheit oder die Gesundheit von Mutter und Kind gefährdet, muss die Klinik umgehend Schutzmaßnahmen veranlassen.

Junge Frau hält ein Neugeborenes im Arm
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Gibt es einen guten Zeitpunkt für eine Schwangerschaft als Ärztin?

Den perfekten Zeitpunkt für eine Schwangerschaft gibt es für Ärztinnen nicht. Bei einem Kinderwunsch sollten Sie aber schon aus biologischen Gründen nicht zu lange warten. Für schwangere Assistenzärztinnen, die sich gerade in einer Facharztausbildung befinden, ergibt sich folgendes Problem:

Ihre Schwangerschaft bzw. der Mutterschutz als Ärztin bedeuten, dass sich die Weiterbildungszeit verlängert und sie Fortbildungen verpassen. Weiterbildungen in Arzt-Teilzeit nach der Geburt sind zwar möglich – da es in diesem Fall aber länger dauert, die erforderlichen Stunden aufzubauen und nötigen Fertigkeiten zu erwerben, geht weitere Zeit verloren.

Weitere Herausforderungen für Ärztinnen in Schwangerschaft und Elternzeit:

  • Befristete Verträge laufen während ihrer Elternzeit aus.
  • Weiterbildungen zur Fachärztin werden verpasst oder verzögern sich.
  • Teilzeitarbeit ist in Kliniken oft schwer umsetzbar.

Mitunter werden Ärztinnen in der Schwangerschaft ungewollte Beschäftigungsverbote auferlegt.

Achtung:

Eine Unterbrechung der Weiterbildung zum Facharzt – etwa verursacht durch Schwangerschaft, Mutterschaftsurlaub oder Elternzeit – kann nicht auf die Weiterbildungszeit angerechnet werden.

Inwiefern sind schwangere Ärztinnen rechtlich geschützt?

Angestellten Schwangeren drohen in Deutschland keine finanziellen Nachteile, wenn sie wegen Mutterschutzrichtlinien ihren Arbeitsbereich wechseln, ihre Tätigkeit minimieren oder ganz einstellen müssen. Zum Wohl des Kindes und der Mutter dürfen Schwangere nicht mehr als 8,5 Stunden täglich bzw. 90 Stunden in der Doppelwoche arbeiten. Nach Ablauf des fünften Schwangerschaftsmonats dürfen sie außerdem keine Arbeit mehr ausüben, bei der sie mehr als vier Stunden stehen müssen. Nicht zuletzt hat eine schwangere Ärztin Anspruch auf Freistellung für Untersuchungen im Zusammenhang mit ihrer Schwangerschaft.

Nicht vom Mutterschutzgesetz betroffen sind alle selbstständigen Ärztinnen in eigener Praxis.

Wann darf eine schwangere Ärztin nicht mehr arbeiten?

Wie bei anderen Berufen auch gilt für die letzten sechs Wochen der Schwangerschaft sowie für die ersten acht bis zwölf Wochen nach der Geburt ein allgemeines Beschäftigungsverbot. Ist es ihr ausdrücklicher Wunsch und es besteht kein Beschäftigungsverbot, so können schwangere Ärztinnen aber auch während der Sechs-Wochen-Frist vor der Geburt arbeiten.

Dass die Unklarheiten und Sorgen für schwangere Medizinerinnen groß sind, hat auch der Deutsche Ärztinnenbund erkannt und hierzu einen Flyer veröffentlicht. Darin finden schwangere Ärztinnen und solche mit Kinderwunsch hilfreiche Tipps.

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